By
nowapowa |
Published
Nov 22 2006, 05:51 PM
Es
gibt hunderte, wenn nicht sogar tausende Posts bei pocketfives die
sich über scheinbar endlose Pechstränen und Ströme schlechter
Karten und Bad Beats beschweren. Um das ganze dann noch schlimmer zu
machen, fangen viele Spieler an gravierende Fehler zu machen, wenn
sie das Gefühl haben dass Sie permanent schlechte Deals bekommen,
was dann zu immer schwereren Verlusten führt. Bis hierhin nichts
neues.
Was
ich hier erklären möchte ist, dass die Möglichkeit eine
Pechsträhne zu beenden fast völlig vom Spieler abhängt. Das Gefühl
der Hilflosigkeit steigt meistens irgendwo in der Mitte einer solchen
Phase auf. Der Spieler bekommt dann das Gefühl dass es nichts gibt,
was er tun kann um zu gewinnen. Und egal wie viele Male er sein Geld
sichern kann, es kommt Ihm so vor, als würde er nur verlieren. Sehen
Sie den Fehler in dieser Denkweise? Kognitive Therapie hilft Menschen
deren Depression stark durch negatives Denken verschlimmert wird.
Das wird kognitive Verzerrung genannt. Kommt Ihnen das bekannt vor?
-
Alles-oder-Nichts-Denken
- Dinge werden immer nur im Absoluten gesehen, also mit Begriffen
wie „immer", „jede", oder „niemals".
-
Über-Verallgemeinerung
- Vereinzelte Vorfälle werden dazu genutzt über das gesamte
Spielerlebniss zu verallgemeinern.
-
Mentaler
Filter-
Es wird sich exklusiv nur auf einen kleinen (oft negativen oder
aufregenden) Aspekt des Geschehens konzentriert und der Rest wird
ignoriert.
-
Emotionale
Rationalisierung -
Entscheidungen und Argumente basieren auf Gefühl und Emotion und
nicht auf objektiver Realität.
-
"Sollte"
Feststellungen
- Man konzentriert auf das was man denkt "sollte" oder
„müsste" passieren, anstelle auf die reale Situation in der man
sich befindet. Oder man hat sehr strikte Ideen dessen, was
angeblich immer passiert oder passieren sollte, egal was die
Situation genau ist.
Ich
habe viele von diesen Posts untersucht und immer die gleichen
Denkfehler gefunden, die sich konstant durch die Einträge ziehen.
Hier sind einige typische Zitate aus Posts über Pechsträhnen, die
meiner Meinung nach kognitive Verzerrung darstellen:
"Und
der böse Kreislauf fängt von vorne an."
"Und immer
und immer wieder, wenn ich tief in meinen Stack greife, versagt AA
gegen 22. Und auch AA gegen AK funktioniert nicht."
"Ich
habe die allerschlimmste Pechsträhne!" Es war schon am Anfang
schlimm, aber nun ist es ein absoluter Albtraum - jede Karte die
mir auf irgendeine Art schaden kann, kommt mit absoluter
Sicherheit."
"Online Poker spielen ist wie sich
immer und immer wieder aufzustellen um sich in die Weichteile treten
zu lassen. Und die Tritte hören nicht auf."
"Die
letzten zwei Wochen waren absolut brutal!"
"Totale
Pechsträhne - kann kein einziges Rennen gewinnen. Nicht einmal
wenn ich dominiere. Das geht seit einem Monat so, ich dampfe...."
[Bemerkung:
Es kommen dann fast immer ein oder zwei Geschichten über Bad Beats.
Wenn der Verlust von ein oder zwei Händen eine so dramatische
Entwicklung für den Spieler darstellt, dann managed er
offensichtlich sein Bankroll extrem schlecht.]
Was
ich bei mir selbst und auch bei anderen Spielern festgestellt habe,
sind gewisse Denk-Tendenzen wenn ich/sie erst einmal feststecken: Zum
Beispiel verlieren Sie ihre Fähigkeit, spekulative Bluffs zu machen,
oder Schwäche in ihren Gegnern zu identifizieren geschweige denn
auszunutzen, weil Sie so sehr auf Ihre eigenen Karten fokussiert
sind. Und dann machen sie oft regelrecht verzweifelte Einsätze nur
um beweisen zu können wie viel Pech sie wirklich haben, und wie sie
einfach nicht gewinnen können, weil so viele Esel im Spiel sind.
Ach die Armen....
Manchmal
machen sie sogar das Gegenteil, sie bieten zu viel auf ihre guten
Hands weil sie Angst haben, ausgesaugt zu werden, und dadurch
bekommen sie nicht den maximalen Wert in potenziell lukrativen
Situationen. Jede schlechte Karte die kommt bestätigt dann die
Pechsträhne. Aber das ist nicht Pech, das ist schlechter Poker, und
schlechter Poker wird durch negatives Denken kanalisiert. Und
negatives Denken führt dazu, dass der Spieler sich nicht mehr selbst
für seine schlechten Ergebnisse verantwortlich macht.
Also,
wie trainiert man seinen Geist aus der Fuge heraus? Spieler reden oft
davon Ihr Spiel mithilfe von Spielverläufen zu analysieren. Und
obwohl das eine unglaublich nützliche Strategie ist, aber sie
umfasst nicht alles. Wenn Sie Ihren eigenen emotionalen Zustand
nicht mit Abstand analysieren können, können Sie auch die Schwäche
Ihrer Gegner nicht ausnutzen. Ich habe versucht einen Tilt-Radar für
mich zu entwickeln und benutze ihn hauptsächlich im
fortgeschrittenen Stadium in Turnieren. Ich kann feststellen, wer
seinen Panzer angelegt hat ("Ich kann keine Karten kriegen!"),
und wer aus Frust meinen Blind erhöht. Oder den, der sofort ablegt
bei einem Pot-Steal. Die meiste Zeit kann ich dieses genaue Lesung
meiner Gegner nur dann erfolgreich unternehmen, wenn ich an nur einem
Tisch auf einmal spiele. Wenn Sie sich in einer schlechten Strähne
befinden, versuchen Sie es mit Einzeltisch-Spiel, und damit, sich
richtig auf die GESAMTE Action einer Hand zu konzentrieren. (Sie
werden besser spielen, und sich besser fühlen - mit der Situation
unter Kontrolle).
Beispiel: Spieler X setzt den halben Pot
auf einen Flush Draw, und gibt beim Turn auf, als die erhoffte Karte
nicht kommt, aber ich weiß auch, dass Spieler Y mit einem hohen Paar
beim Turn und beim River niedrig mitgeht, wel er Angst hat, dass
jemand bessere Karten hat. Ok, wir spielen Poker, und nicht "Lieber
Gott, ich hoffe, dass all meine Karten gut sind heute, und wenn sie
das nicht sind, dann habe ich eben immer noch eine Pechsträhne. Man
ich habe vielleicht ein Sch...glück heute!" Wir können diese
Informationen bei späteren Hands nutzen, und unseren Stapel aufbauen
in dem wir uns diese Tendenzen einfach merken. Und schon sind wir aus
der Dunkelheit der Frustration heraus! Vergessen wir Konzepte wie
schlechte Karten, Bad Beats, etc., und konzentrieren uns darauf zu
gewinnen, TROTZ unausweichlicher Geschehnisse.
Ok,
jetzt fügen wir diese beiden Absätze zusammen. Wir wissen wie ein
konstant vor Frustration dampfender Spieler denkt, und wir verstehen
auch, von welchen Veränderungen in seinem Spielverhalten wir
ausgehen können, weil er versuchen wird, über zu kompensieren. Wenn
Sie denken können wir ein Jammerer, können Sie ihn auch schlagen.
Benutzen Sie sich selbst als Modell und erinnern Sie sich daran wie
es bei Ihnen war, als Sie das Gefühl hatten von der ganzen Welt und
den Kartengöttern ungerecht behandelt zu werden, und Anzeichen
dieses Verhaltens dann in ihren Gegnern suchen. Ich gucke auch ganz
klar nach Anzeichen solchen Verhaltens in den Chat-Boxen: Ich liebe
zum Beispiel Gegner, die jeden Bad Beat in der Chatbox kommentieren
und öffentlich zur Schau stellen. Diese Gegner warten doch nur
darauf, fertig gemacht zu werden...
_______
Auch
ich habe negative Erfahrungen gemacht, welche natürlich ganz normal
sind, und ganz schlecht reagiert. Das hat mich dann sagenhafte Summen
Geldes gekostet. Viele meiner schlimmsten Schläge in Turnieren kamen
mitten in einer schlechten Phase letzen Sommer, als ich mehrmals auf
sehr blamierende Weise hintereinander aus Turnier-Finalen rausflog.
Aber das echte Problem war, dass ich dann in darauf-folgenden
Turnieren, zu einem gewissen fortgeschrittenen Punkt im Turnier
einfror und anfing zu denken, „OK, jetzt, jetzt ist meine Chance!
Ich muss die 4000 zurückgewinnen die ich diesen Monat verloren habe,
hier und jetzt zurückgewinnen." Der Totalschaden war
vorprogrammiert.
Einmal, es war spät im nächtlichen $150
bei Stars, und ich hatte einen ziemlich großen Stack erspielt mit
ein paar guten Karten und eine bisschen Glück. Ich fühlte mich
super! Mit nur noch drei Tischen und meinem großen Stack, hatte ich
vor meine Gegner sehr schlecht zu behandeln... Ich wurde auf den
Sitzplatz direkt links von Rizen gesetzt der einen ganz ähnlichen
Chips-Stack hatte wie ich. Bei der ersten Blind vs. Blind
Konfrontation erhöhte er und ich verteidigte, denn "Niemand
vergreift sich an meinem Blind!" (Das ist Kriegsgefangenen-Denken,
oder etwa nicht?) Vergessen wir, dass ich nur 6 2 offsuit hatte und
dass Rizen nicht gerade ein loser Spieler ist. Der Flop kam mit einem
Buben high, und ich hatte gar nichts. Aber ich hatte ja Position, so
dass ich mir dachte ich wäre ja immer noch vorne, egal was passieren
würde! Er setzte Max, und ich, um nicht zurück zu bleiben, erhöhte
um das Minimum. (Ja, super gespielt, ich, erhöhe erneut und setze
dabei meinen halben Stapel aufs Spiel und gebe ihm damit Chancen von
3947845 zu 1, wissend, dass ich total kaputt gehen werden, wenn er darüber geht!)
"Hey,"
dachte ich mir, "der denkt nach beim Spielen, und ich flehe
ihn praktisch an, mitzugehen, damit er foldet!" Oops.
Der
Grund warum ich diese Story erzähle ist der, dass ich eine
schreckliche Entscheidung traf weil mein Kopf von dem Gedanken, dass
ich dieses Turnier gewinnen MUSS vernebelt war (von dem Gedanken,
dass die einzige Art zu gewinnen die ist, nicht einen einzigen Pot zu
verlieren, und mir schon gar nicht von einem platzierten Spieler
vorschreiben zu lassen, wie ich mich im Spiel verhalte, oder mich gar
von ihm ausnutzen zu lassen). Ich hatte beschlossen wie ich
spielen würde, und ich würde dabei bleiben, egal was die Situation
ist. Das ist das ultimative Rezept für totales Versagen beim Poker.
Es außerdem Nummer 5 in der verkürzten Liste der kognitiven
Verzerrungen: „Soll-Aussagen"
- die sich darauf konzentrieren was Sie denken das passieren
„sollte" und nicht auf die reale Situation die sie durchleben,
oder zu rigide
Regeln bezüglich
dessen, was Sie glauben was „immer" passiert, egal was die
Umstände sind.
Vermeiden
Sie es solche Fehler zu machen, und Sie werden merken, dass Sie viel
näher an Ihre Langzeitziele herankommen, und dass Sie mit einem
klareren Kopf spielen, und die Fehler Ihrer Gegner besser ausnutzen
können.