By
Zpaceman |
Published
Oct 26 2007, 10:18 AM
Für viele
Menschen ist Poker nur ein Kartenspiel. Die Massenmedien stellen
Poker typischerweise als Spiel des großen Bluffs und des verdammten
Glücks dar. Einige hochbekannte, erfolgreiche Pokerspieler sagen,
dass sie nicht viel von Mathematik oder Wahrscheinlichkeit wissen und
eher nach Instinkt und Erfahrung spielen. Viele normale Spieler
lassen sich nicht mit Pot-Gewinnchancen belästigen und spielen
einfach ihre Karten. Was viele dieser Leute nicht wissen ist, dass
bei Poker alles von der Mathematik beeinflusst wird.
Ich gehe in
diesem Artikel nicht verstärkt auf die mathematischen Details ein.
Bill Chen und Jerrod Ankenman haben das Buch The
Mathematics of Poker
verfasst,
in dem viele mathematische Details auftauchen. Anstatt dessen
versuche ich für die Laien zu erklären, warum bei Poker alles von
Mathe beeinflusst ist und jede Pokerhandlung, die sie ausführen auf
einer mathematischen Grundlage basiert.
Zuerst muss
man sich klar werden, dass Poker weniger ein Kartenspiel sondern eher
eine Reihe von Wetteinsätzen ist. Ohne Wetteinsätze wäre Poker
einfach nur ein willkürliches Glücksspiel, bei dem das beste Blatt
gewinnt. Mit Wetteinsätzen haben Sie dennoch die Möglichkeit den
Ausgang eines Hand zu beeinflussen, indem Sie weiter mitspielen oder nicht.
Wenn Sie
sich entscheiden zu setzen oder mitzugehen, machen Sie in
Wirklichkeit eine Wette und hoffen davon zu profitieren. Einfacher zu
verstehen, wenn Sie mit einem All-In Einsatz beim River mitgehen und die „Nuts" (das bestmögliche Blatt, mit dem man auf
alle Fälle gewinnt) halten. Ihr Gegner hat Ihnen tatsächlich eine
Wette auf alle seine Chips angeboten plus deren, die bereits in der
Mitte liegen. Ganz egal wie viel er gesetzt hat, ist es immer
vorteilhaft diese Wette mitzugehen.
Sie haben
eine Wahrscheinlichkeit von 100% die Wette zu gewinnen und die
angebotenen Chancen können nie schlechter als 50/50 sein.
Sie müssen
nur 50% der Zeit gewinnen, um am Ende gleich dazustehen und daher ist
das Mitgehen angemessen.
Ich weiß,
dass einige von Ihnen denken, dass dieses Beispiel eindeutig ist und
keinen mathematischen Beweis verlangt, aber nun bedenken Sie diesen
Fall. Ein einmaliger Promotions-Wettbewerb für eine Million Dollar,
ein AA Blatt haltend, KKAQ auf dem Tisch mit $980.000 im Pot und Ihre
letzten $20.000 um mitzugehen. Ihr Gegner zeigt Ihnen KK und sagt,
„Ich gebe Dir $20.000 wenn du aussteigst und den Wettstreit aufgibst." Viele würden instinktiv sofort zustimmen und eher die
$20.000 nehmen, als auf ein Ass als 5. Karte zu warten. Mathematisch
gesehen ist die angebotene Wette jedoch ein Einsatz von $20.000 um
$1.000.000 zu gewinnen. Sie müssten diese Wette nur 2% der Zeit
gewinnen, um gleich dazustehen. Es gibt 52 Karten, 8 wurden bereits
offengelegt und eine der verbleibenden 44 Karten ist ein Ass. Die
Wahrscheinlichkeit, dass die 5. Karte ein Ass ist, liegt bei 2,3%. Da
2,3% > 2,0% ist es von Vorteil den Deal zu verweigern und mit der
Wette mitzugehen.
So ziemlich
jede Pokerhandlung von Ihnen wird in eines dieser mathematischen
Extreme fallen und wird von der Mathematik beeinflusst. Wenn Sie die
Wette bei 5. Karte mit einem guten Blatt mitgehen, entscheiden Sie
sich dafür, die Wette Ihres Gegners mitzugehen, um den Pot zu
gewinnen. Sie könnten eben gerade festgestellt haben, dass Ihr Blatt
gut genug ist oder einfach auf Ihr Glück setzen, aber wenn Sie ein
durchweg profitabler Spieler sein wollen, sollten Sie abwägen, ob
Ihr Blatt beim Kräftemessen größtenteils gewinnt, um von der von
Ihnen angebotenen Wette zu profitieren.
Ähnlich
ist es, wenn Ihr Gegner beim River mitgeht, Sie sind derjenige, der
ihm die Wette anbietet und sollten abwägen, wie Ihre
Wetteinsatzgröße ein profitables Mitgehen des Gegners
beeinträchtigt.
Ihr Ziel
hier ist es einen Betrag zu setzen, bei dem er prozentuell weniger
gewinnt, als beim Mitgehen der Wette gleich da zu stehen.
Setzen und
Mitgehen bevor die 5. Karte Vorreiter eines Kräftemessens wird und
die darauf folgenden Wettchancen festsetzt.
Die
Mathematik ist viel komplizierter, wenn Sie die Wahrscheinlichkeiten
von verschiedenen Kombinationen potentieller Karten berücksichtigen
müssen, die bei darauffolgenden Straßen vorkommen. Aber im Grunde
sollte jedes Setzen oder Mitgehen eine mathematische Grundlage haben,
um vorteilhaft oder nicht vorteilhaft zu sein.
"Aber
was ist mit den Pots, die ohne dieses Kräftemessen gewonnen wurden?
Sicherlich gehört da mehr als nur Mathe dazu". Nun, diese Pots fallen in zwei Kategorien: Wetten als Nutzen
und Wetten als Bluff.
Wenn Sie
für den Nutzen setzen und Ihr Gegner aussteigt, können Sie den Pot
gewonnen haben, aber potentiell gesehen einige Gewinne verlieren. Sie
sollten immer versuchen einen Betrag zu setzen, bei dem die
angebotene Wette unvorteilhaft für den Gegner ist (Sie wissen
Bescheid, aber die anderen könnten es nur vermuten), jedoch nicht zu
viel, damit denen der mathematische Aspekt nicht ersichtlich wird.
Zum
Beispiel ein Top Set bei einem mit Kc 7c 2s zu floppen.
Sie wissen, dass Sie zurzeit das bestmögliche Blatt haben, aber es
gibt viele Blätter die Ihr Gegner haben könnte und Sie damit bei
der 5. Karte schlagen könnte. Er könnte ein „Flush Draw" mit Ac haben und während Sie wissen, dass er nur eine Chance von 25%
auf den Gewinn hat, könnte er von mindestens 40% ausgehen. Um eine
mathematische Wette korrekt auszuführen, sollten Sie ihm keine
Chancen höher als 3 zu 1 und nicht niedriger als 3 zu 2 anbieten.
Jede andere
Wette außerhalb dieses Bereiches ist entweder vorteilhaft für ihn
mitzugehen oder einfach auszusteigen (dies trifft auf einen klugen,
mitdenkenden Spieler zu; Sie könnten größere Einsätze von
schwachen Spielern bekommen).
Bei Wetten
für den Nutzen verlieren Sie potentiell an Gewinn, wenn Sie die
Mathematik bei Ihren Handlungen und Einsätzen nicht dementsprechend
berücksichtigen.
Wenn Sie
wetten um zu bluffen, geht es dann nicht nur um
unerschrockene Aggression, Psychologie und dem Auswählen von
schwachen Gegnern? Nun, eigentlich ja, aber es gibt immer noch eine
grundlegende mathematische Basis dafür. Wenn Sie bluffen, versuchen
Sie einen Pot zu gewinnen, den Sie sonst verlieren würden. Um einen
Großteil der Zeit erfolgreich zu sein und damit es für Sie von
Vorteil ist, müssen Sie bluffen.
Nehmen Sie
das einfachste Beispiel bei der 5. Karte zu bluffen, mit einem Blatt,
das andererseits kein Kräftemessen gewinnen kann. Wenn Sie auf den
Pot setzen, muss der Bluff mehr als 50% der Zeit erfolgreich sein, um
profitabel hervorzugehen. Nochmals erwähnt, Sie machen einfach nur
eine 50/50 Wette, was mathematisch korrekt wäre, wenn Sie daraus
folgern können, dass Ihr Gegner zu mehr als 50% der Zeit aussteigen
wird. Alle anderen Bluffs haben eine ähnliche mathematische
Grundlage, inklusive eines „4-Wette All-In Preflop" Stoßes; es
ist nur, dass es zusätzliche Verwicklungen von Karten gibt, um
potentiell das Blatt zu gewinnen, wenn man mitgeht.
Es
gibt zusätzlich Kombinationeb von Karten, die erscheinen, als können
sie potentiell das Blatt gewinnen, auch wenn man mitgegangen ist (es
ist halbes Bluffen, wenn es eine Chance gibt, dass Sie beim
„Showdown" gewinnen könnten und dieser Faktor ist Teil der
mathematischen Grundlage für solche Bluffs).
Daher ist
die Mathematik von Poker allmächtig. Es gibt keine Situation oder
Aktion beim Poker, wo die mathematischen Gesetze und
Wahrscheinlichkeiten nicht eine wichtige Rolle bezüglich des
Ergebnisses spielen. Ja, es gibt die Psychologie und Intuition, die
Ihnen helfen festzulegen, wie oft solche Spiele erfolgreich ausgehen,
aber es gibt immer zu Grunde liegende Mathematik, die das begründet,
auch wenn Sie dies nicht bemerkt haben.