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Assassinato |
Published
Nov 24 2007, 11:51 AM
Seit
ich angefangen habe, ernsthaft zu spielen, glaube ich felsenfest
daran, dass die Einstellung mit der man an das Spiel rangeht den
Unterschied zwischen Gewinnen und verlieren macht. In früheren
Artikeln habe ich Routine, Vorbereitung, Realistisch-sein behandelt - dieses Mal möchte ich über die Einstellung reden, um die es bei
professionellem Poker geht.
Poker
ist ein Spiel, das ganz natürlich bei vielen Menschen Frustration
und Negativität hervorruft. Wenn Sie ein Cash-Spieler sind und im
Durchschnitt 60% Ihrer Sessions gewinnen, sind Sie
höchstwahrscheinlich ein guter Spieler. Dennoch bedeutet das, dass
Sie an vier von zehn Tagen Verluste in Ihre Bücher eintragen
müssen. Wenn Sie Turnierspieler sind, haben Sie wahrscheinlich noch
weniger positive Tage, und es kann Wochen, manchmal Monate dauern,
bis Sie einen größeren Gewinn verbuchen können.
Viele
Leute sind darauf nicht vorbereitet wenn Sie anfangen, professionell
Poker zu spielen. Sie gehen an Poker genauso ran wie an die anderen
Dinge in ihren Leben. In der Schule zum Beispiel, wird uns
beigebracht, dass wir in allem Erfolg haben sollten was wir anfangen.
Ein Einser-Schüler kann sich oft nicht mehr als eine verhauene
Arbeit erlauben. Falls Sie Sportler waren, sind Sie wahrscheinlich
mit der Idee aufgewachsen, dass einmal verlieren eine große Schande
ist. Wenn Sie eine „richtige" Arbeit haben, werden dort Fehler
auch nur sehr selten geduldet. Sie müssen jeden Tag pünktlich auf
der Arbeit erscheinen, und jede Aufgabe muss noch am gleichen Tag zur
vorgeschriebenen Zeit ausgeführt werden.
Wenn
Sie an Poker mit der gleichen Einstellung rangehen, werden Sie sich
letztendlich fast jedesmal fertigmachen, wenn Sie spielen. Sind Sie
aber erst einmal davon überzeugt, ein Verlierer zu sein weil ein
Großteil ihrer Sitzungen negativ enden, werden Sie das gesamte Spiel
mit einer Verlierereinstellung angehen. Und wenn Sie daran glauben,
dass das Desaster gleich hinter der nächsten Biegung lauert, fällt
es schwerer Druck auf Ihre Kontrahenten zu machen, weil Sie ja schon
wissen, dass Ihr Gegner bessere Karten als Sie bekommen wird. Warum
es also überhaupt abwarten... Oder Sie schlagen ins Gegenteil um und
fangen an es mit den Einsätzen und Wetten zu übertreiben um sich
vor anderen zu schützen, und verlieren dabei ihre Bankroll. Sie setzten
vielleicht um eine Hand zu schützen wegen eines unwahrscheinlichen
Draws, wenn Ihnen eine langsamere Strategie den Pot gebracht hätte.
Eine Sache die ich in letzter Zeit zu oft gemacht habe, ist am Ende
von MTTs zu hohe Risiken einzugehen. Ich glaube das ist ein direktes
Resultat dessen, dass mein normales Spiel sei einer Weile nicht die besten Ergebnisse aufzeigte.
Wenn
Sie sich die erfolgreichen Spieler ansehen, dann sehen Sie, dass
diese keine der beiden eben beschriebenen Strategien anwenden. Sie
finden einen Weg, Balance zu halten zwischen dem unglaublich
intensiven Kampf während des Spiels und einer c'est
la vie
Einstellung hinterher. Ihnen ist klar, dass Poker viel näher am
Investieren, als am Sport ist. Selbst wenn sie ihr bestes geben,
werden sie einen Großteil der Zeit verlieren. Aber ihre
erfolgreichen Sitzungen werden das aufwiegen. Wenn sie
Turnierspieler sind, dann wissen sie, dass sie mit allergrößter
Wahrscheinlichkeit 99% der Zeit die sie an einem Turnier teilnehmen,
nicht gewinnen werden, aber der eine Gewinn, der irgendwann kommt,
wird alle Verluste aufwiegen.
Ich
bin keiner von diesen großartigen Superspielern. Die Stärke, die
ich von Anfang an hatte ist, dass ich zwar keinen großartigen ROI
(Return on Investment - Investitionsrendite) habe,
aber dass ich dafür mehr Stunden als die meisten Anderen spielen
kann. Das wiederum erlaubt es mir, mehr Geld zu verdienen, als die
Anderen, obwohl viele von ihnen wesentlich talentierter sind, als
ich. Ich tilte
auch nicht so schnell wie andere Leute, und das erlaubt es mir,
solideren Poker für längere Zeit zu spielen. Falls ich mich doch
mal aufrege, höre ich einfach auf. Dann lasse ich ein bisschen
Dampf gegenüber anderen Profispielern ab, die die Schwierigkeiten
verstehen, und komme erst zurück zum Spiel, wenn ich mich komplett
abgeregt habe und mein Kopf wieder richtig auf meinen Schultern
sitzt.
Der
Grund warum ich das machen kann, ist nicht, dass ich so ein
unglaublich reifes Individuum bin. Auch ich rege mich über viele
blöden kleine Sachen auf, so wie jeder andere Teenager. Ich denke
über Poker einfach anders als die meisten Leute. Ich lasse mich
nicht jedesmal bedrücken, wenn ich verliere. Und wenn ich gewinne
dann führe ich keinen Freudentanz auf. Ich sehe Poker so wie
Investition an der Börse, und das hilft mir ungemein bei den
Talfahrten.
Wenn
ich jetzt auf Sie zukomme und sage: "Hey, lass uns ein Spiel
spielen. Jedes Mal, wenn ich diese Münze in die Luft werfe und Kopf kommt, zahle ich Dir $200 ... und jedesmal wenn Zahl kommt, zahlst Du mir hundert". Würden Sie jemals aufhören wollen?
Natürlich nicht? Sie würden alles tun, um weiter zu spielen! Sie
würden mir meine Mahlzeiten kaufen, so tun als wären Sie mein
bester Freund, und mir sogar den Hintern abwischen.
Offensichtlich
ist Poker viel komplexer als das, aber wenn Sie solide spielen,
passiert nicht viel mehr als das. Wenn Sie Ihrem Kontrahenten einen
Flush-Draw nicht zutrauen, er aber trotzdem mitgeht, dann ist das
genau das was passiert. Wenn irgend so ein Schneckenspieler den
ganzen Tisch aufhält und immer wieder zu hoch einsetzt, und sie das
ausnutzen, dann ist es das was passiert. Genauso wie es ihnen egal
sein sollte wenn Sie unsere hypothetische Situation mit einer Serie
von Misserfolgen erleben, sollte es Ihnen auch egal sein, ob der Typ
mit einer starken Hand oder einem schwachen Zweier aufgewacht ist.
Obwohl
viele Leute das eigentlich verstehen, nehmen sie eine andere Haltung
an wenn sie spielen. Leaderboards, Medienberichte, und unser eigenes
Wettbewerbsverhalten geben uns den Illusion, dass Poker ein Spiel wie
jedes andere ist, wenn das einfach nicht der Fall ist.
Wenn
Sie und ich beschließen würden, jeden Morgen Schach zu spielen,
Schachspiele erfolgreicher Spieler zu analysieren, und Schachbücher
zu studieren, wären wir ohne Zweifel in einem Monat bessere
Schachspieler und würden mehr Spiele gewinnen als wir es heute tun.
Aber wenn wir anfangen würden jeden Tag zehn Runden Poker zu
spielen, Cardrunners zu analysieren und jeden Abend PFX Videos
anzusehen und Hands zu diskutieren, können wir in einem Monat immer
noch genauso gut verlieren. Es mag zwar weniger wahrscheinlich sein,
aber Fakt ist, dass uns rein theoretisch immer noch ein vier-jähriges
Kind schlagen könnte.
Sie
sollten sich überhaupt nicht ärgern, wenn Sie eine Sitzung
verlieren. Alles was Sie damit tun, ist andere Spieler auch mal
gewinnen lassen. Wenn die nie gewinnen würden, würden sie nicht
mehr mit Ihnen spielen wollen. Sie würden zurück zum Roulette-Tisch
gehen, und Harrah's ihr Geld geben, anstelle es ihnen zu geben.
Wenn
es mir möglich wäre, ihnen Aktien von Google aus der Zeit zu geben,
als es noch ein unbekannter Upstart war, und sie wüssten welchen
Wert die Aktion in Zukunft annehmen würden, würden Sie doch nicht
in der ersten Woche in der es etwas bergab geht, verkaufen, oder?
Wenn Sie Manager des Bellagio wären, würden Sie keine Panikattacke
bekommen, bloß weil ein High Roller eine heiße Nacht an den
Craps-Tischen hatte. Nein, denn Sie wüssten ganz genau, dass er
irgendwann das ganze Geld auch wieder verliert. Und zwar an Sie.
Die
Wahrheit ist doch, dass Sie und ich davon abhängig sind, das diese
Leute ab und zu auch mal gewinnen. Wir haben durch die neuen Gesetze
und Netellers Schließung (für amerikanische Kunden, Anm. des Übers.) viele Leute verloren. Wir brauchen
Hans-Otto der einen 8 bis 5 Job hat und ab und zu mal ein Turnier
gewinnt, und dann seinen Freunden erzählt wieviel er gestern Nacht
auf Seite X gewonnen hat damit genau diese Freunde am nächsten Tag
mit uns spielen.
Außerdem
verstehe ich diese ganze Lästerei über dies Spieler sowieso nicht.
Wenn Sie nicht damit fertig werden, dass jemand ab und zu mit einem
As-10 ihr Königpaar besiegt, dann sind Sie in der falschen Branche.
No Limit Hold'em (besonders in Turnieren) ist eine der varianzstärksten und unvorhersehbarsten Pokerspielformen die es gibt.
Holdem ist deshalb so populär, weil es weniger erfahrenen Spielern
mit seiner festen Struktur hilft. Es beginnt damit dass Sie nur zwei
der sieben Karten in der Hand halten. In Turnieren passiert das
meiste Wetten und Einsetzen an diesem Punkt im Spiel, und ihr
Kontrahent erhält dann fünf weitere Karten um zu ihnen aufzuholen.
Sie sind also niemals so ein großer Favorit, und besonders in
Turnieren braucht es nur eine schlechte Hand um sie raus zu hauen.
Ich
bin immer wieder überrascht, wenn ich mit Spieler rede die einzelne
Turnierergebnisse als persönliche Hoch- und Tiefpunkte ihres Lebens
auffassen. Wenn Sie Ihr Ego aufbauen wollen, spielen Sie Dame.
Niemanden interessiert es, und sie werden auch kein Geld verdienen,
aber Sie werden sich auch nicht damit fertig werden müssen, dass Sie
nicht jedesmal gewinnen können.
Aber,
wollen Sie jedes Mal gewinnen, oder wollen Sie Geld gewinnen? Wollen
Sie damit aufhören, von Gehaltscheck zu Gehaltscheck zu leben?
Wollen Sie aus Ihrer Einzimmerwohnung in ein Penthaus ziehen? Wollen
Sie im Urlaub nicht mehr nur für vier Tage an den See, sondern zum
Trekking nach Thailand oder ins Luxushotel nach Monte Carlo fliegen?
Wollen Sie Ihrer Familie helfen können, wenn das Geld knapp wird?
Oder Ihrer Freundin sagen können dass Sie sie ausführen wo immer
sie auch hin will?
Wenn
Sie all das wollen, dann müssen Sie lernen, die Dinge so zu nehmen
wie sie kommen bei diesem Spiel, und in harten Situation cool zu
bleiben. Wenn Sie im Poker verlieren, müssen Sie aufhören, das so zu sehen, als hätten Sie als Stürmer beim spielentscheidenden Pass
den Ball nicht erwischt. Sie sind einfach der Hustler, der ein Spiel
vorbeigehen lässt, bevor er die Einsätze erhöht.
Sie haben die Kontrolle, solange Sie daran glauben dass Sie es sind. Die
einzige Person, die dafür sorgen kann dass Sie die Kontrolle
verlieren, sind Sie selbst. Bleiben Sie bei Ihrem Spiel, lernen Sie
dazu, erhalten Sie sich ein paar gute Freunde, und stehen Sie die
Schlechtwetterzeiten durch. Betrachten Sie es immer auf lange Sicht
und realistisch, und alles wird gut gehen.
Viel
Glück an Sie alle.
-Alex