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Rizen |
Published
Feb 27 2007, 03:12 AM
In
den letzten drei oder vier Jahren seit ich Online Poker spiele, habe
ich weitläufige Veränderungen in der Art wie Online Poker gespielt
wird beobachten können. Das gilt besonders für No-Limit Turniere.
Als ich anfing, waren die anderen Pokerspieler zum größten Teil so
schlecht, dass man im Grund nur auf das Blatt warten musste, und
hoffte, dass man keinen Cooler oder Bad Beat1 bekam.
Aber durch Internet-Foren,
Training-Seiten, und Bücher haben sich die Dinge entscheidend
verändert. Eine der größten Veränderungen vor ein paar Jahren
wurde durch die Veröffentlichung von Harrington on Hold Em Volumes I
& II (Harrington über Hold Em) verursacht. Während
professionelle Spieler die meisten Konzepte bereits gekannt und
verstanden haben dürften, waren sie für den mehr oder weniger
zufälligen Spieler oder Internetanfänger neu und haben wirklich das
Spiel revolutioniert.
Vorher
haben Spieler einfach nicht in Konzepten wie ‘M'2 gedacht, und genauso wenig haben sie Dinge wie "Zonen" und so
genanntes Short-Stack3 Spiel in ihre Überlegungen aufgenommen - Dinge die heute beim
Online-Spiel normal sind. Harrington machte auch das berüchtigte
Squeeze Play4 bekannt, dass man heute so oft sieht.
Mit
diesen Gedanken im Hinterkopf glaube ich, dass die Zeit gekommen ist,
Harrington hinter sich zu lassen. Eine Faustregel in der Pokerwelt
ist, dass wenn die Massen eine Sache machen, man selber besser etwas
ganz anderes macht, um daruas Vorteile zu ziehen. Es gibt
mittlerweile so viele Spieler, die den Lehren von Harrington folgen,
dass das zu einem gewissen Grad ausnutzbar ist.
Was sind ein
paar der Arten, wie Sie aus dem Spiel der Massen Nutzen schlagen
können? Im Moment ist eine meiner Lieblingsmethoden, Squeeze-Spiel
zu induzieren. Was bedeutet, dass ich wenn ich ein starkes Blatt habe
bei dem ich alle meine Chips einsetzen möchte, nicht wie normalerweise
einen Erhöher ausbooten würde, sondern stattdessen oft einfach nur
mitgehe. Damit flehe ich die Spieler hinter mir praktisch an, sich in
einem Squeeze-Spiel zu verfangen. Sie müssen natürlich ganz genau
darauf achten, wo die ursprünglichen Erhöher sitzen und wie ihre Stcks aussehen, um sicher zu stellen dass Sie alles richtig aufbauen.
Aber wenn Sie diese Methode richtig anwenden, können Sie Ihre Gegner
oft in eine Falle locken, vor allen Dingen die, die sich für ganz
besonder schlau halten.
Eine
andere Sache, die ich bemerkt habe, sind Veränderungen in der Art
wie die Leute mit Short Stacks spielen. Als das Buch herauskam, war
es oft noch möglich sich in der roten Zone mit Push-Spiel am Leben
zu erhalten. Die Internetspieler von heute durchschauen das
allerdings sofort, und sie gehen gegen Spieler in der roten Zone oft
mit erstaunlicher Variation mit. Deswegen gehe ich oft all-in wenn
mein Stack die rote Zone erreicht und ich ein gutes Blatt habe, denn
ich kann davon ausgehen, dass meine Gegner dass als schwächere Hand
interpretieren, als wenn ich mit einem Short-Stack eine
Standarderhöhung machen würde.
Außerdem
warte ich ein bisschen länger damit, all-in zu gehen als noch vor
ein paar Jahren, und ziele besonders auf Stacks in den Blinds ab
denen es schwer fällt mit mir mit zu gehen, denn ich weiß, dass
meine open-pushes in Verbindung mit Short-Stacks viel schwächer
aussehen als sie es vor ein paar Jahren getan hätten. Und da Spieler
heutzutage viel besser im Mitgehen geworden sind, wähle ich ein
bisschen stärkerer Blätter, als die die Harrington empfiehlt. Ich
bevorzuge mittlere bis große Connectors einer Farbe über solche von
A5, K7, oder 22 denn die typische Calling Range5 es heutigen Gegners beinhaltet hauptsächlich Blätter die von
solchen Kombinationen dominiert werden. Hände wie JT oder 78
widerstehen gut, wenn Leute bereit sind, mit Händen wie AT, 66 und
KQ mit ihrem Short-Stack mitzugehen.
Die
Grundregel lautet also, dass Poker sich ständig weiterentwickelt.
Als professioneller Spieler und leidenschaftlicher Schüler des
Spiels bin ich die ganze Zeit dabei zu versuchen, die beste Strategie
gegen das sich immer weiter entwickelnde Spielerfeld zu finden.
Harringtons Bücher sind einige meiner Lieblingsbücher - ich finde
sie fantastisch. Aber nun da die meisten Spieler die Konzepte in
diesen Büchern kennen, ist es Zeit sich vorwärts zu entwickeln und
uns einen profitableren Spiel-Stil anzueignen. Sie können alle
Spielarten Ihrer Gegner ausnutzen, wenn Sie nur ein gutes Verständnis
dessen haben, was Ihre Gegner zu tun versuchen. Vor fünf Jahren war
die Poker-Landschaft ganz anders als heute und in fünf weiteren
Jahren wird sie wieder ganz anders sein. Wie gut wir uns anpassen
wird unseren Erfolg als Spieler bestimmen. Werden Sie die
Scheuklappen los, und ich denke sie werden die Belohnung dafür in
ihrem Bankroll sehen.
1 Unglücklicher Zufall in dem ein
starkes Blatt auf ein noch stärkeres trifft. Zum Beispiel wenn KK
auf AA trifft. Auch bekannt als Cold Deck.
2 M ist eine von Dan
Harrington erfundene Variable. M
bezeichnet das Verhältnis des Chipsstapels zu der Summe der zwei
Blinds. (M = Chips-Stabel / Blindsumme). ZB: 3000 Chips bei einer
Blindsumme (Small + Big) von 600 haben ein M von 5. Harrington
unterteilt Ms in fünf Kategorien. Sie sind zum Beispiel im grünen
Bereich, wenn Sie ein M von über 20 haben, und schwimmen praktisch
schon mit dem Bauch nach oben, wenn Ihr M unter 1 ist.
3 Spiel mit einem sehr kleinen Chipsstapel.
4 Als Squeeze Spiel wird ein Spiel bezeichnet, bei
dem zwei nicht direkt auf einander folgende Spieler, von denen jeder
denkt dass er gewinnen kann, immer wieder erhöhen, um den Spieler
in der Mitte dazu zu zwingen, mitzugehen und dadurch die höchst
mögliche Summe aus ihm heraus zu „quetschen".
5 Das geschätzte Blatt
eines Gegners aufgrund seines Spielverhaltens (der Höhe seiner
Einsätze)