By
Kyner |
Published
May 03 2007, 02:49 PM
Als
junger Pokerspieler in einer festen Beziehung stelle ich immer öfter
fest, dass ich mich die ganze Zeit in Situationen befinde die dem
Werfen einer Münze ähneln. Mache ich beim 21:00 Uhr Turnier
mit, und lasse mich dafür von meiner Freudin anschreien weil ich den
Abend nicht mir ihr verbringe, ODER gehe ich mit ihr zum Essen aus
und schaue mir danach einen Weiberschinkenmit ihr an? Mache ich das
FTOPS Main Event ODER fahre ich auf einen Wochenendtrip zum
Geburtstags-BBQ Ihres Vaters?
Genauso
wie ich die Kosten und Gewinne kalkuliere, wenn ich ein Paar Damen
gegen eine König-As Kombination am Anfang eines teuren Turnieres
spiele, errechne ich auch hier ganz genau meine Optionen: Spiele ich
im 21 Uhr Turnier, hätte ich ein paar Stunden Spaß und könnte
vielleicht sogar ganz gutes Cash gewinnen. Allerdings hätte ich dann
auch eine unglückliche Freudin und müsste die nächsten paar Nächte
vermutlich allein schlafen. Resultat: kurzfristiger EV (expected
value - zu erwartender Wert).
Im
zweiten Szenario hätte ich eine Chance auf die $1.5 Millionen im
Preispool, würde aber unter ihren Verwandten als Schurke, als
degenerierter Pokerspieler-Freund dastehen. Das würde dann heissen,
dass ich mehrere Wochen-, nicht Tage, nein Wochenlang, den Status
eines Fußabtreters hätte und vermutlich im Hundehaus schlafen
müsste. Resultat: kurzfristiger-EV, langfristiger-EV.
Irgendwann
fing ich an mir folgende Frage zu stellen, "Was kann ich tun, damit
meine Freundin Poker nicht als etwas sieht, was uns auseinander
bringt, sondern als etwas was uns zusammen bringt?" Die Antwort war
einfach: Ich musste einfach versuchen, sie auch für Poker zu
interessieren. I hatte die Möglichkeit ihr Poker beizubringen schon
ein paar Mal erwähnt und sie schien auch interessiert, aber da sie
dabei war, ihr Jurastudium abzuschließen hatte sie sehr wenig Zeit.
Nach Ihren Examen allerdings, wollte sie dass ich ihr beibringe wie
man ein bisschen Geld durch Pokerspielen verdienen kann. Das was für
mich total aufregend, den es würde mir die Chance geben sie in ein
Spiel einzuführen, an dem mir wirklich etwas liegt, und außerdem
würde es mir erlauben zu den Anfängen zurückzukehren, was
wiederrum meinem Spiel helfen würde.
Am
Anfang unserer Unterrichtsstunden wusste meine Freundin nicht,
welches Blatt ein anderes schlägt, was ein Blind ist, oder ein
Flush. Zu sagen dass sie eine Novizin war, wäre eine Untertreibung.
Also fingen wir ganz am Anfang an. Ich brachte Ihr bei, welche
Blätter welche schlagen, was ein Blind ist, und schließlich was es
heißt in Position zu sein. Zunächst war sie ganz schön verwirrt
von den ganzen verschiedenen Theorien bezüglich wie man welche Hand
in welcher Situation spielen sollte. Ziemlich bald spielte sie
Spielgeld S&Gs und Echtgeld-Spiele (unter meiner Aufsicht), und
wurde schnell besser. Sie begann die wichtigsten Konzepte zu
verstehen und anzuwenden. Zu meiner großen Überraschung und Freude
machte ihr das Spiel genauso viel Spaß wie mir und sie begann
selbstständig zu spielen.
Wir
unterhalten uns nun über Bad Beats die sie hatte und wie sie anders
hätte Spielen können. Sie hat sogar angefangen, sich einige der
WSOP Veranstaltungen und Poker After Dark anzusehen, obwohl sie noch
vor einem Jahr gesagt hat, dass sie nicht verstehen könnte warum
sich jemand Poker im Fernsehen ansieht. Vor kurzem hat sie angefangen
die $1 Turbo SNGs bei Full Tilt zu spielen und sie kann erste Erfolge
verzeichnen. Gestern Nacht sah ich ihr dabei zu wie sie in einem
90-Teilnehmer $1 SNG auf den vierten Platz kam. Und obwohl ein Profit
von $6 für 3 Stunden Spiel nicht gerade berauschend ist, freuen wir
uns beide sehr darüber wie viel sie in den letzten paar Monaten
gelernt hat. Und nun finde ich mich immer häufiger dabei, dass ich
Pokerturniere mit meiner Freundin spiele oder mir Turniere mit ihr im
Fernsehen anschaue, anstelle mich mit ihr über Poker zu streiten.
Außerdem
habe ich festgestellt dass ich mein eigenes Pokerspiel aufpolieren
konnte indem ich meiner Freundin grundlegendes Pokerwissen vermittelt
habe. Ich erzähle ihr die ganze Zeit, dass Bad Beats eben passieren
und dass das Beste was man machen kann, ist sich das Geld zurück zu
holen. Dadurch fällt es auch mir leichter die fiesen Suck-Outs und
Bad Beats zu akzeptieren und zu lächeln anstelle mit der Faust auf
den Computertisch zu hauen
Der
Punkt der ganzen Geschichte ist, wenn Sie etwas lieben, teilen Sie es
mit denen, die Sie lieben. Vielleicht werden sie Ihre
Pokerbegeisterung teilen und Sie finden einen Pokerpartner fürs
Leben. Wenn es ihnen nicht gefällt, ist es auch ok, aber ich
garantiere Ihnen, dass mit offener Kommunikation und ein bisschen
Mühe, Poker und Beiziehungen auch gemeinsam wachsen können.
Da
sehen Sie's Dr. Phil!
-Kyner