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seal |
Published
Jan 16 2007, 08:16 PM
Diesen
Mittwoch kam ich ein bisschen früher aus der Uni, und beschloss ein
paar Nachmittags-Turniere bei Poker Stars zu spielen. Die ersten zwei
vergingen so schnell, dass ich mir gar nicht sicher war, ob ich
wirklich gespielt habe. In dem NLHE verlor mein Flop Top Paar gegen
ein niedriges Flop Set. Im PLO floppte ich dann meine Nut Straße in
einen Royal Flush Draw und verlor dann gegen einen Typen, der ein
mittleres Set floppte und es dann im River vervollständigte. Mit
anderen Worten, ein ganz normaler Anfang eine Pokertages.
Ich
war schon für das nächste NLHE Turnier registriert, und die erste
Hand, die ich bekam, war Pocket-Asse im Big Blind. Ich wartete
geduldig darauf dass einer der typischen Erste-Hand-All-In Verückten
anfing zu erhöhen, aber alle legten ab, und ich sammelte die 12
Chips des Small Blinds. Fünf Minuten später bekam ich wieder Pocket
Asse und dieses Mal erhöhte ich auf 90 Chips UTG. Der Typ neben mir
erhöhte auf 250, und dann kam der All-In-Button! "Jetzt geht's
los, sagte ich laut, als ich mitging und zusah wie der Typ neben mir
ebenfalls all-in ging. Der Spieler in der Kartengeber-Position zeigte
AK off-suit, und der Typ neben mir ein gewaltiges 58 Herz. Und dann,
gleich im Flop kam J55 und nichts mehr was mir weiterhalf, und das
Turnier endete schnell.
Meine
ruhige Oberfläche begann ein kleines bisschen anzubrechen, als ich
in das nächste Rebuy-NLHE einstieg. Inzwischen hatte ich einen
hübschen Stack im PLO8 aufgebaut und war auf Platz 26 von 129. I
beruhigte mich ein bisschen, und beschloss einfach mein bestes Poker
zu spielen, und zu versuchen wenigstens in einem der Turniere
auszucashen.
Nun
ja, in meiner Erfahrung kann man so viel beschließen, wie man will,
wenn das Schicksal beschlossen hat, einen in die Pfanne zu hauen,
kann man nicht viel tun, außer zu grinsen und es auszustehen.
Dreißig Minuten später, nach drei oder vier erfolglosen Versuchen
eine Hand zu floppen, finde ich mich mit AA24 doppel-suit auf dem
Button. Die Action war zu dem Zeitpunkt schon ziemlich hoch, und da
ich sowieso ein Drittel meines Stacks riskieren würde um
mitzugehen, pushte ich all-in. Wir sahen den Flop sechs-handed mit
genug Chips im Pot um einen von uns ziemlich weit nach oben im
Leaderboard zu katapultieren. Der Flop war auch sehr schön, A-3-Q mit
je einer Farbe meiner Suits. Auch der Turn war schön, ein Bube der
zur Karo-Dame passte, womit ich dann den Nut Flush Draw hatte. Als
dann aber der Karo-König beim River fiel, taumelte ich aus meinem
Stuhl und erhob meine Faust. Erst als ich zusah wie die vielen
schönen Chips an jemand anderen gingen, bemerkte ich, dass einer
meiner brillanten Gegner mit 789T doppel-suit all-in gegangen war,
und dass seine Karo-9 das ganze zu einem straight Flush gemacht
hatte.
Leute
die einige Erfahrung mit PLO8 haben, können attestieren, wie viel
Eselhaftigkeit man in diesem Spiel beobachten kann. Während 789T
eine angemessene Hand für Omaha High ist, macht die Tatsache, dass
jede Nut-Straße die Sie mit drei Board-Karten niedriger als 9
bilden, fast automatisch jemand anderen zum Gewinner des Lows macht,
das ganze zu einer weniger als idealen Hand. Die Faustregel ist, dass
mittlere Karten den Tod bedeuten, in PLO8. Das traurige an der Sache
ist, dass es diesmal mein eigener Tod war.
Ich
sage gerne von mir selbst, dass ich nicht unter Tilts leide und dass
ich es gelernt habe, schwere Verluste weg zu stecken, und nach vorn
zu sehen. Aber als ich mich dann auf die Couch warf und mich in zwei
oder drei Sprachen fluchend in ihren übergroßen Kissen vergrub,
hörte ich auf einmal aus irgendeinem Grund die Stimme des kleinen
Geckos aus der Geico-Werbung. Oder vielleicht war es auch Joe Hachem.
Jedenfalls sagte sie höchstironisch zu mir, "Nicht Tilt-anfällig,
hm?" „Verluste wegstecken, ja?"
Ich
hatte mich wieder in meinen schwarzen Lederchefsessel sinken lassen,
und begonnen Dampf abzulassen indem ich fünf oder sechs Buy-Ins in
Rebuy NLHE leistete, als meine Frau anrief. Ohne eine Pause zu
machen, sagte sie "Was für eine schreckliche Heimfahrt. Aus der
Stadt heraus zu kommen, war schon schlimm genug, aber dann war die
Turnpike gesperrt. Die 1 und die 9 waren so verstopft, dass wir durch
Staaten Island fahren mussten. Dann bin ich endlich hier, und komme
noch nicht mal nach Hause, weil die Straße gesperrt ist. Der
gesamte Verkehr ist zum erliegen gekommen. Ich glaube es muss einen
Unfall gegeben haben, kannst Du nicht mal im Internet nachgucken, ob
was passiert ist?
Ich
meckerte immer noch über mein Unglück, als ich mich in die Webseite
der örtlichen Zeitung einloggte. Die Überschrift brachte mich
abrupt zum Schweigen. Es hatte wirklich einen Unfall gegeben,
ungefähr anderthalb Meilen von unserem Haus. Und nun waren vier
Kinder aus unserer Gemeinde tot. Als ich weiterlas, fand ich heraus
dass wir zwei davon kannten, und dass eins davon einen Bruder in der
Klasse meines Sohnes hatte.
Als
meine Frau endlich nach Hause kam, fingen wir an,
herumzutelefonieren, um heraus zu finden ob irgendjemand irgendwie
Hilfe benötigte und was wir tun konnten. Alle Gedanken an Verkehr,
Poker, und andere völlig nebensächliche Sachen schmolzen unter der
brennenden Hitze der Tragödie dahin. Wir verbrachten den Rest der
Nacht damit, unsere Freunde zu trösten, und unsere Kinder zu
umarmen.
Manchmal
muss man sich in den Hintern treten lassen, um aus seinen
selbstverliebten Dramen zu erwachen. Verkehrstaus und schwere
Pokerverluste können nerven, auf jeden Fall. Aber wenn wir uns
darüber beklagen, als ob es um Leben und Tod ginge, haben wir auf
jeden Fall die Perspektive verloren. Wenn das Schlimmste was mir
heute passiert ist, ein Outer in einem NLHE-Turnier und eine Bubble
im FT, dann bin ich ein glücklicher Mann. Ich hoffe, dass ich das
nicht so schnell wieder vergesse.