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Wie man in Turbo-SNGs seine Gegner ausnimmt

By A V0id In Me | Published Mar 24 2008, 01:17 PM

Ganz egal ob Sie ein Anwalt, Chemiker, Poet oder Pokerspieler sind: Ihr Erfolg wird hauptsächlich davon abhängen, wie weit Sie Ihre Logik benutzen können, um damit effizient Probleme zu lösen. Auch wenn man sich mit einem gewissen Problem überfordert fühlt und es unlösbar zu sein scheint, zerlegt man es in kleinere Teile, die leichter handzuhaben sind, so wird es uns viel deutlicher wie man es löst und es wird so auch leichter vor sich gehen als erwartet. Ein Teil davon ein besserer Pokerspieler zu werden ist es, die erhaltenen Grundkenntnisse zu nehmen und diese so weit wie möglich auszubauen.

Im Laufe der Zeit kann es geschehen, dass Strategien, die früher anscheinend immer erfolgreich waren, plötzlich nicht mehr die gewünschten Ergebnisse bringen und so müssen wir dementsprechend unser Spielverhalten verändern. Auch wenn es von außen als schwer erscheinen mag, doch wenn wir die grundlegenden Bestandteile des Spiels logisch untersuchen und uns auch in die Lage unserer Gegenspieler versetzen, so wird es uns nicht nur gelingen unseren momentanen Erfolg beizubehalten, sondern auch unser Spiel und unsere Profite auf eine ganz andere Stufe zu bringen. Mit anderen Worten: Wir können die ganzen konkreten Informationen, dessen wir uns schon sicher sind, über das Spiel zusammentragen und dabei noch logische Berechnungen anwenden, damit wir so letztendlich im Vergleich mit der Konkurrenz unser Arsenal an Strategien auf eine erhöhte Stufe des Denkens bringen.

Speziell in Turbo-SNGs ist das logische Erkennen von Verhaltensmustern vermutlich der wichtigste Bestandteil für eine erfolgreiche Strategie. Im Grunde wissen wir schon, bei welchem „M" oder bei welchem Betrag der Big-Blinds wir All-In gehen müssen und wir wissen auch das wir mathematisch gesehen auf längere Sicht erfolgreicher sind, wenn wir als erster bei einem Pot setzen und dabei die anderen Spieler unter Druck setzen können schwere Entscheidungen zu treffen. Um bei SNGs Profit zu machen, ist es unentbehrlich so viele Verhaltensmuster wie möglich zu verstehen und immer wieder die richtigen Entscheidungen zu treffen, unabhängig von kurzfristigen Erfolgen.

Indem man diese Grundlagen versteht und richtig umsetzt, wird man zumindest etwas Profit machen und wenn man sich bei SNGs ins Zeug legt, so kann dies eine weitere kleine Einnahmequelle darstellen. Wollen wir uns aber wirklich damit zufrieden geben, dass wir nur kleine Gewinne verzeichnen und so kaum besser sind als der Spieler neben uns, der immer nur eben aussteigt? Warum also nicht unseren mittelmäßigen Fähigkeiten das Wunder der Logik hinzufügen und uns so in den gefürchtetsten Spieler des Tisches zu verwandeln? Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass man hierzu kein Hochschulzeugnis mit tollen Noten braucht und man auch nicht stundenlang mit Programmen wie SNG Power Tools herumspielen muss. Viel wichtiger ist es die Art und Weise, wie wir erkannte häufig wiederkehrende Verhaltensmuster umsetzen, etwas zu modifizieren. Ich beschreibe diese „erhöhte" Geistesverfassung gerne als „etwas in einem anderen Blickwinkel betrachten" (die besten Pokerspieler tun dies mit Sicherheit). Diese Perspektive ist es, die den Unterschied zwischen 15% ROI1 und 30% ROI macht und wenn wir uns ein wenig Mühe geben, so können wir alle das erreichen.

Eine weitere Möglichkeit wie wir uns beim Pokern verbessern können ist es, wenn wir uns in die Lage unserer Gegenspieler versetzen. Anstatt uns immer nur über unsere Karten, unsere Position und unsere Finanzen den Kopf zu zerbrechen, warum nicht das Spiel auch von der Warte der Gegenseite aus betrachten?! Es hat einen guten Grund warum die berüchtigtsten Kriegsstrategen, so wie Alexander der Große und Napoleon, so erfolgreich waren: Sie verstanden es die Entscheidungen ihrer Feinde vorauszusehen und sich diese dementsprechend zu Nutze zu machen. Zwar geht es bei uns nicht um Tod und Leben, doch es dreht sich um ein Spiel mit lückenhafter Information und ein Spieler, der aus zutreffenden und überlegten Vermutungen über seine Gegner Nutzen ziehen kann, wird schließlich als Sieger hervorgehen. Sehen wir uns nun ein Blatt an, wo wir uns in die Lage unseres Gegenspielers versetzen können und mit diesem Vorteil das Spiel entscheiden:

PokerStars Game #16196870055: Tournament #82006645, $25+$2 Hold'em, No Limit - Level VIII (200/400) - 2008/03/23 - 17:34:13 (ET)

Table '82006645 1' 9-max Seat #6 is the button
Seat 1: JuntMonkey (1825 in chips)
Seat 2: Fatlad18 (10574 in chips)
Seat 3: ChipVortax (2465 in chips)
Seat 4: A V0id In Me (1875 in chips)
Seat 5: JetroFly (975 in chips)
Seat 6: khafan (1620 in chips)
Seat 7: 3kidswhoplay (2955 in chips)
Seat 8: Chong Li 04 (7521 in chips)
Seat 9: eljay42 (4520 in chips)
JuntMonkey: posts the ante 25
Fatlad18: posts the ante 25
ChipVortax: posts the ante 25
A V0id In Me: posts the ante 25
JetroFly: posts the ante 25
khafan: posts the ante 25
3kidswhoplay: posts the ante 25
Chong Li 04: posts the ante 25
eljay42: posts the ante 25
3kidswhoplay: posts small blind 200
Chong Li 04: posts big blind 400
*** HOLE CARDS ***
Dealt to A V0id In Me [Ah 7h]
eljay42: folds
JuntMonkey: raises 1400 to 1800 and is all-in
Fatlad18: folds
ChipVortax: folds

Hierbei handelt es sich um eine hoch interessante Situation. In den meisten Fällen wenn wir es hier mit einer frühen „Under The Gun +1"-Erhöhung2 zu tun haben, würden wir danach unser Blatt (A7 in Herz) niederlegen, da wir mit einem solch schwachen Blatt nicht viel Chancen haben, gegen all die möglichen Kombinationen, die der Gegenspieler in dieser Position haben kann. Jedoch handelt es sich hierbei nicht um eine gewöhnliche Wetterhöhung. Betrachten wir das Ganze doch einmal aus der Perspektive von "JuntMonkey's".

Wenn wir JuntMonkey wären, so würden wir feststellen, dass unser M3 2,2 beträgt. Das bedeutet, dass wir uns ganz eindeutig in der „roten Zone" befinden und wir versuchen so gut wir können die Gegenspieler abzuschrecken und zum Niederlegen ihrer Karten zu motivieren, indem wir All-Inn gehen. Im Idealfall würde niemand mitgehen und wir könnten 825 Chips zu unserem Stack rechnen, was unseren neuen M-Wert erheblich erhöhen würde, nämlich auf 3,2.

Zurück zu unseren Karten: Obwohl A7 in Herz kein phantastisches Blatt ist, so haben wir fast genau gleich viele Chips wie JuntMonkey, bei einem M von 2,2. Uns ist nun klar, dass dieser Spieler, der so hoch gesetzt hat, es riskiert und verzweifelt versucht durch sein All-In-Gehen andere aus dem Spiel zu werfen, und das bei einer sehr hohen Anzahl an möglichen Blättern: Mit jedem Paar, einem Ass und sogar Karten wie Q7. Dadurch können wir annehmen, dass wir mit A7 mehr als gute Chancen gegen Ihn haben.

A V0id In Me: raises 50 to 1850 and is all-in
JetroFly: folds
khafan: folds
3kidswhoplay: folds
Chong Li 04: folds
*** FLOP *** [Qh 3d Tc]
*** TURN *** [Qh 3d Tc] [7c]
*** RIVER *** [Qh 3d Tc 7c] [4h]
*** SHOW DOWN ***
JuntMonkey: shows [6s Ks] (high card King)
A V0id In Me: shows [Ah 7h] (a pair of Sevens)
A V0id In Me collected 4425 from pot

In dieser Situation hätten die meisten Spieler ein schwaches Blatt, wie A7, niedergelegt, um nicht durch ständiges mitgehen Ihre ganzen Chips zu vertun. Man sollte aber das aber auch aus der Warte des Gegenspielers betrachten. Tatsache ist, dass unser M 2,2 beträgt und wenn es uns gelingen sollte, mit unserer Anzahl an Chips mit dem Spieler vor uns mitzuhalten und dessen „Pushing Range"4 abzudecken, dann haben wir Grund genug um mitzugehen. In solchen Fällen mitzugehen ist notwendig um es zu vermeiden, dass die Blinds immer höher werden (wodurch man früher oder später aus dem Spiel geworfen wird) und um es zu vermeiden die anderen All-In zu drängen, ohne dabei die Wahrscheinlichkeit zu haben, dass diese auch wirklich dadurch ihre Karten niederlegen. Zwar hat JuntMonkey hier einen wirklich guten Spielzug gemacht, doch wir haben anhand seiner Anzahl an Chips bestimmt, welche Karten in seinem Fall für dieses Verhalten wahrscheinlich sind und haben das zu unserem Vorteil genutzt und somit unseren Chips-Stand verdoppelt.

Es gibt unzählige Situationen in denen man leicht einen Berg an Chips ergattern kann, wenn man sich nur ein paar zusätzliche Sekunden Zeit nimmt, um zu Bestimmen wie stark das Blatt eines Gegenspieler logischerweise sein müsste. Schließlich sollte man immer spielen um zu gewinnen. Warum es also mit Müll-Karten riskieren, wenn kaum die Chance besteht, dass die Anderen ihre Karten niederlegen, wo wir doch die Gegenspieler ausbeuten können, noch während wir genug Chips haben, um durch ein Verdoppeln uns eine starke Position zu sichern?

Eine weitere Art wie wir zu einem besseren Spieler werden können ist, dass wir unsere eigenen Züge etwas unberechenbarer machen. Wir haben ja bereits darüber gesprochen, wie man die offensichtlichen Verhaltensmuster der Mitspieler ausnutzen kann, deshalb sollten wir es den Anderen im Gegenzug so schwer wie möglich machen unsere Züge auszunutzen. Es ist ein Spielzug der viel zu häufig angewendet wird, jedesmal wenn man nur noch wenig Chips hat, mit irgendwelchen 2 Karten in der Dealer- oder Cutoff-Position gleich All-Inn zu gehen. Eine weitere schwache Strategie ist es, immer gleich mit zwei beliebigen Karten All-In zu gehen, wenn man in der SB-Position (Small Blind) ist und einen Chips-Stack von unter 10 Blinds hat. Auch wenn diese Spielweise oft mathematisch gesehen angebracht wäre, so ist sie doch extrem leicht zu durchschauen und wird dadurch ineffektiv. Einfach nur weil man in der Kartengeber-Position einen M von 2,5 hat, so bedeutet das noch lange nicht, dass man auch wirklich jedes Mal All-In gehen sollte. Viel wichtiger ist es mit wie viel Chips man All-In geht und welche Dynamik am Tisch herrscht. Sehen wir uns noch schnell einen Blatt-Verlauf an, damit wir diese Art von Scenario besser einschätzen können:

PokerStars Game #16169405416: Tournament #81866626, $55+$5 Hold'em No Limit - Level VIII (200/400) - 2008/03/22 - 15:41:54 (ET)

Table '81866626 2' 9-max Seat #8 is the button
Seat 2: stan25 (2200 in chips)
Seat 4: DeezNutz421 (4785 in chips)
Seat 5: DoobyScoo (1835 in chips)
Seat 6: RenMP (3085 in chips)
Seat 7: samanna1 (9065 in chips)
Seat 8: mccard (4365 in chips)
Seat 9: A V0id In Me (1665 in chips)
stan25: posts the ante 25
DeezNutz421: posts the ante 25
DoobyScoo: posts the ante 25
RenMP: posts the ante 25
samanna1: posts the ante 25
mccard: posts the ante 25
A V0id In Me: posts the ante 25
A V0id In Me: posts small blind 200
stan25: posts big blind 400
*** HOLE CARDS ***
Dealt to A V0id In Me [4h 8c]
DeezNutz421: folds
DoobyScoo: folds
RenMP: folds
samanna1: folds
mccard: folds
A V0id In Me: raises 1240 to 1640 and is all-in
stan25: folds
A V0id In Me collected 975 from pot

Das wir hier All-In gehen ist ein totales Standardmanöver und es ist hier absolut effektiv, wegen der Anzahl an Chips des Spielers in der Big-Blind-Position. Nur selten wird hier ein gewöhnlicher Spieler in der BB-Position mit unserem Einsatz mitgehen, denn dabei würde Dieser alles riskieren. Obwohl unsere Karten so schlecht sind wie nur möglich, so erlaubt es uns in dieser Situation die Anzahl unserer Chips, dass wir uns ganz leicht den wertvollen Pot krallen können. Aber unter anderen Umständen, was Chips- und Mitspieler betrifft, wäre es besser seine Karten niederzulegen.

Zur Wiederholung: Obwohl es logisch gesehen das Beste wäre, sich All-In zu stürzen, egal mit welchen Karten und mit wie viel Chips, so muss man trotzdem seine Spielzüge variieren, wenn man seine Fähigkeiten auf eine höhere Stufe bringen will. Wenn ein durchschnittlicher Spieler in der BB-Position 4000 Chips hat, so ist es eher ungünstig hier gleich All-In zu gehen, denn die 

Gegenspieler werden fast immer mitgehen, wissend, dass durchschnittliche Spieler dieses Manöver bei fast jedem Blatt anwenden, sogar mit 32 in verschiedenen Farben. Anders formuliert: Wenn man zu gewöhnliche Züge tätigt, speziell bei höheren Wetteinsätzen, dann wird man damit nur schlechte Resultate erzielen, denn man wird so leicht durchschaut.

Wie in allen Bereichen des Lebens, so erlangen auch hier Jene die Oberhand, welche sich die Zeit nehmen und nachdenken wie sie ihr Spiel verbessern können. Im Reich der „fehlenden Information" ist es unerlässlich, dass wir neben den Entscheidungen, die ohnehin fast alle treffen, auch immer nach neuen Wegen suchen, um die Anderen auszustechen. Wenn das Ende des Turnieres schließlich näher rückt und es darum geht wer es auf einen Gewinnerplatz schafft, dann beginnen die Gegenspieler mit der Aussicht etwas Geld zu gewinnen „tighter" zu spielen. Schrecken Sie dann nicht davor zurück skrupellos deren Ängste auszubeuten. Sollte sich ein Spieler, der nur mehr wenig Chips übrig hat, in einer späteren Position All-In stürzen, so nehmen Sie sich Zeit um zu überdenken welches Blatt er haben könnte.

Schätzen Sie sein Blatt erneut ein und wenn Sie glauben, dass Sie mit seinen Karten mithalten können und haben Sie keine Angst davor mitzugehen um seine Karten zu sehen. In ähnlicher Weise verhält es sich, wenn der SB-Spieler mit 900 Chips bei 75/150 sie in der BB-Position All-In drängt, bedenken Sie nur wie oft Sie die besseren Karten haben und gehen Sie ruhig auch mit schlechten Karten mit. Setzen Sie immer Ihre Gegenspieler unter Druck und schlagen Sie zurück, wenn diese Sie unter Druck setzten sollten. Ferner wird es sich auf lange Sicht in wunderbarer Weise auf Ihr Image auswirken, wenn Sie zurückschlagen und mit schwachen Karten mitgehen. Wenn wir uns nur ein wenig Mühe geben, können wir alle unser Spiel auf ein höheres Niveau bringen. Viel Glück an den Tischen.

* A V0id In Me ist ein professioneller Pokerspieler, der sich auf Single-Tisch und Multi-Tisch SNG-Turniere spezialisiert hat. Wer Anleitungen über SNGs erhalten möchte kann sich per Email direkt an ihn wenden: aV0idInMe@yahoo.com.

*1 „Return On Investment" Begriff aus dem Finanzbereich, der angibt was man aus seinen Investitionen herausbekommt. Beim Poker wird dies angewendet, um zu sehen wie profitabel ein Spieler in Turnieren ist. Der ROI wird wie folgt berechnet: 100 * Gesamtgewinn / Turnier Buy-in. Wenn man also zum Beispiel ein Turnier Buy-in von $100+$9 bezahlt hat und $150 gewinnt, dann hat man einen Gewinn von $41 gemacht. Der ROI ist dann gleich100 * $41 / $109 = 37.61%. Der ROI wird bei Turnierspielen angewendet, weil dort das Buy-in im Verhältnis zum Preisgeld fix ist.

*2 Under The Gun: Der erste Spieler einer Wettrunde, der eine Handlung unternehmen kann. (Positionsbeschreibung:) Der Spieler auf der linken Seite der Big-Blind, der eine Handlung tätigt, noch bevor die Karten ausgeteilt werden.

*3 M ist eine von Dan Harrington erfundene Variable. M bezeichnet das Verhältnis des Chipsstapels zu der Summe der zwei Blinds. (M = Chips-Stabel / Blindsumme). ZB: 3000 Chips bei einer Blindsumme (Small + Big) von 600 haben ein M von 5. Harrington unterteilt Ms in fünf Kategorien. Sie sind zum Beispiel im grünen 

Bereich, wenn Sie ein M von über 20 haben, und schwimmen praktisch schon mit dem Bauch nach oben, wenn Ihr M unter 1 ist.

*4 „Pushing Range" ist eine Auswahl an möglichen Karten, mit denen ein Spieler All-In gehen würde, also „pushen" würde.


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